Homo erectus


Homo erectus
Ho|mo erẹc|tus, der; - - [aus 1Homo u. lat. erectus = aufgerichtet, eigtl. aufgerichteter Mensch] (Anthropol.):
Vertreter einer ausgestorbenen Art der Gattung Homo, der als Merkmal einen aufrechten Gang aufweist.

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I
Homo erectus
 
Vor etwa einer Million Jahren begann eine neue Epoche der Menschheitsgeschichte: Die Menschen gewannen die Gewalt über das Feuer, das nun gehegt wurde, aber auch selbst entfacht werden konnte, wobei Bohr- und Reibtechniken offenbar älteren Datums sind als Schlagtechniken, bei denen Feuersteine und Schwefel genutzt wurden. Die frühen Menschen breiteten sich vom tropischen Ausgangsraum in subtropische und gemäßigte Zonen aus, wobei die Grenzen der Ökumene - des von Menschen bewohnten Teils der Erdoberfläche - durch den Wechsel der Warm- und Kaltphasen des Eiszeitalters teils erweitert, teils verkürzt wurden. Noch blieb Afrika der Mittelpunkt der Menschheit, doch kamen immer weitere Teile Asiens und des südlichen Europas hinzu. Ein neuer Menschentypus - »Homo erectus« genannt - hatte sich vor etwa 1,5 Millionen Jahren oder noch früher herausgebildet. Spezielle Steinwerkzeuge, besonders die Faustkeile wurden entwickelt und standardisiert. Dies setzte auch eine höhere sprachlich-begriffliche Entwicklung voraus. Lanzen und Keulen aus Holz können nun nachgewiesen werden. Auch die Anfänge der Schäftung von Steinwerkzeugen sind in dieser Zeit zu vermuten.
 
Die Formgebung mancher Faustkeile, die vor gut einer halben Million Jahren begann, ist mit technischen Notwendigkeiten allein nicht zu erklären. Offensichtlich wurde ein Maß an Symmetrie und Ausgewogenheit angestrebt, das als Anfang künstlerischer Gestaltung gedeutet werden kann. Regionale Unterschiede entsprachen zunächst offenbar verschiedenen Umweltbedingungen, mit denen die jeweiligen Menschengruppen sich auseinander zu setzen hatten. Abgesehen von größeren Temperaturunterschieden zwischen den Klimazonen wurden es mehr und mehr die unterschiedlichen Rhythmen der Jahreszeiten und Tageslängen, die bewältigt werden mussten, ebenso die wechselnde Pflanzen- und Tierwelt für die Jagd und für das Sammeln. Dem entspricht die wachsende Regionalisierung der Formen der Steinwerkzeuge, die manchmal jedoch über unterschiedliche Naturräume hinausgeht. Hier müssen sich Traditionen verfestigt haben, die unabhängiger von wechselnden Umwelten waren.
 
Großräumige Gemeinsamkeiten und die offenbar geringe Variationsbreite der aus den Skelettresten erschließbaren Menschenform setzen einen zumindest gelegentlichen Kontakt und Austausch benachbarter Gruppen voraus. Da Funde in Höhlen und von Wohnstätten im Freiland bisher selten gemacht wurden, kann über die Größe und Zusammensetzung der jeweiligen Lokalgruppen wenig gesagt werden. Die wenigen Spuren von zeltartigen Hütten boten einer Kleinfamilie Platz, doch es ist ungewiss, ob diese Beobachtungen verallgemeinert werden dürfen.
II
Homo erẹctus
 
[lateinisch »aufgerichteter Mensch«] der, - -, (ausgestorbene) Art der Gattung Homo, die rd. 1,5 Mio. Jahre bis etwa 0,3 Mio. Jahre vor der Gegenwart gelebt hat. Fossile Funde kennt man von Java (Javamensch), aus China (darunter auch der berühmte Pekingmensch, wahrscheinlich die jüngsten Vertreter der Art, sowie die älteren Funde von Gongwangling sowie Lantian), aus Nord- (Ternifine in Algerien) und Ostafrika (Olduvai, Tansania; Turkanasee, Nordkenia). Die Zuordnung europäischer Funde ist strittig, so auch die des Heidelbergmenschen. Die morphologischen Merkmale beweisen aufrechten Gang, Körpergestalt und -größe wie bei kräftigen heutigen Menschen, aber flacheren, niedrigeren Hirnschädel mit geringerem Hirnvolumen (800-1 300 cm3), »zeltförmigem« Hinterhauptsumriss in Rückansicht, massivem, knöchernem Brauenwulst und stark entwickelten, etwas vorstehenden Kiefern; Unterkiefer ohne Kinnvorsprung. In Afrika und Europa scheint Homo erectus die an manchen Orten in großen Mengen vorkommenden Faustkeile sowie Abschläge in der Clactontechnik hergestellt zu haben.
 
Die ursprüngliche Bezeichnung Pithecanthropus geht auf die Vorstellung von E. Haeckel zurück, dass ein Bindeglied zwischen den Affen (Pitheci) und den Menschen (Anthropi) existieren müsse. Da er diese Zwischenform (»missing link«) in der indonesischen Heimat des Gibbons vermutete, von dem der Mensch angeblich abstammen sollte, ließ sich der niederländische Arzt E. Dubois nach Java versetzen und suchte dort systematisch nach dieser »Übergangsform«. 1890/91 gelang ihm bei Trinil die Entdeckung der ersten fossilen Reste (Schädeldach und Oberschenkel) des Homo erectus, womit er zugleich eine neue Ära der Hominidenforschung einleitete. In den Trinilschichten fanden sich auch Werkzeuge (einfache Abschläge und Gebrauchsspuren), die dem Homo erectus zugeschrieben werden.
 
Besser bekannt ist der bei Peking entdeckte Sinanthropus (Chinamensch, Pekingmensch). Er besaß einfache Steinwerkzeuge und kannte den Gebrauch des Feuers. Er scheint Kannibale gewesen zu sein. Fast alle Schädel, die gefunden wurden, sind zerschlagen, die Umgebung des Hinterhauptlochs ist aufgebrochen (vielleicht, um das Gehirn herauszunehmen); die Langknochen sind gespalten (wahrscheinlich, um das Mark zu gewinnen).

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Ho|mo erẹc|tus, der; - - [aus 1Homo u. lat. erectus = aufgerichtet, eigtl. aufgerichteter Mensch] (Anthrop.): ausgestorbene Art der Gattung Homo, die als Merkmal einen aufrechten Gang aufweist: Es ist ein junger H. e.: sein gut erhaltenes Skelett wurde in den achtziger Jahren in Nordkenia entdeckt (Zeit 21. 6. 96, 35); Dabei hat sich nach heutigem Kenntnisstand unsere Art, Homo sapiens, vor etwa 300 000 Jahren aus seiner Vorform, dem H. e., entwickelt (Zeit 17. 3. 95, 49).

Universal-Lexikon. 2012.

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